Schüler pflegen Wilhelm Brackes Grab
BZ berichtet
Vor knapp 127 Jahren starb der Braunschweiger Arbeiterführer
- Ruhestätte machte unordentlichen Eindruck -
Von Dieter Schäfer
WESTLICHER RING. Das Ehrengrab des Arbeiterführers Wilhelm Bracke auf dem Stadtteilfriedhof am Alerdsweg soll in Zukunft sorgfältig gepflegt werden. Schüler der nach ihm benannten Gesamtschule am Alsterplatz haben gestern die Grabpflege übernommen.
Vor fast 127 Jahren war Wilhelm Bracke wenige Tage vor seinem 38. Geburtstag gestorben. Verwandte sorgten dafür, dass der Mitbegründer des MTV Braunschweig und Vorstandsmitglied des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins ein Grab neben seinen Eltern bekam. 40 Jahre später wurde hier auch seine Ehefrau Emilie beigesetzt.
Brackes Grab wurde zum Braunschweiger Ehrengrab ernannt, geriet jedoch weitgehend in Vergessenheit. "Die Stadt behandelte das Grab schlecht", bedauert Dr. Anja Hesse, Leiterin des Fachbereichs Kultur.

Sie riet dazu, die Pflege aller Ehrengräber an die Einrichtungen zu vergeben, die den Namen des jeweiligen Verstorbenen tragen. "Die Stadt willigte ein", berichtet Anja Hesse. Eine Arbeitsgruppe der Wilhelm-Bracke-Gesamtschule in der Weststadt pflegt jetzt Brackes Grab.
Die Neuntklässler kamen gestern mit Harke, Hacke und Eimer auf den knapp 400 Jahre alten Stadtteilfriedhof. Klassenlehrer Konrad Czudaj kaufte rasch noch Kerzen und ein Blumengesteck.
Sorgfältig säuberten die Schüler Brackes Grab, lockerten den Boden auf, reinigten den Grabstein und die Grabumrandung. Anschließend bemühten sie sich um das ebenfalls verwilderte Grab von Brackes Eltern. "Wir werden auch dieses Grab in unseren Plan aufnehmen", verspricht Czudaj. "Das sind wir der Familie schuldig." Alle zwei Wochen wollen die Schüler den Friedhof am Alerdsweg besuchen.
In der Wilhelm-Bracke-Gesamtschule ist das Leben des Arbeiterführers fester Bestandteil des Unterrichts.
Braunschweiger Zeitung, 30.11.2006

