Musical Skid Row
Überall lauert die Blume des Bösen
Schüler der Wilhelm-Bracke-Gesamtschule stellten eine ehrgeizige Musical-Produktion vor
von Harald Hilpert
Tristes Großstadtmilieu. Die Menschen, die hier ihr Leben fristen, sind aggressiv. Ständig von Lebensniederlagen bedroht. Überall lauert gefräßig das Böse. Mittendrin ein heruntergekommener Blumenladen. Er liegt in der „Skid Row“.
Nach diesem Straßennamen haben die über vierzig Schüler ihr Stück benannt, das sie dem Kultmusical „Der kleine Horrorladen“ von Howard Ashman und der Musik von Alan Menken temperamentvoll nachempfunden haben.
Die Geschichte ist bekannt. Das Blumengeschäft des Mister Muschnik geht schlecht. Keine Kunden, also keine Blumen und auch kein Geld. Das bekommen die Angestellten Seymour und die von ihm angehimmelte, aber bereits an den sadistischen Zahnarzt Orin vergebene Audrey zu spüren.
Doch als der Laden gerade aufgegeben werden sollte, präsentiert der tollpatschige Seymour seine neuste Merkwürdigkeit: Eine Menschenfleisch fressende Pflanze, die er sinnigerweise nach der Angebeteten „Audrey Zwo“ nennt. Diese Blume hat eine seltsame Anziehungskraft und bringt das Geschäft mächtig in Schwung.

Geschickt und sehr farbig ist das Stück von Elke Müller-Matuschek auf Simultanbühne inszeniert und mit Tanz- und Pantomime-Einlagen (Lucienne Auon) einfühlsam bebildert. Besonders weil eine sich mächtig ins Zeug legende Band unter Leitung von Alejandro Schleese mit Hits wie „Downtown“, „Dentist“ oder auch „Suddenly Seymour“ in präziser Ohrwurm-Manier die Stimmung anheizt.
Auch wenn der schwierige Gesangspart der ständig wachsenden Pflanze von dem Profi Roberto Achilles gesungen wird, staunt man, mit welch sängerisch beweglicher Leichtigkeit die Schüler die Songs bewältigen.
Besonders Till Seifert als Seymour und Danny Vassermann als Audrey glänzen in ihrer Liebessehnsucht, so dass der rührselige Reporter (Nils Braun) am Rande riesige Taschentücher voll weinen muss. Anrührend.
Schriller Höhepunkt und böser Kontrast ist der fiese Ekel-Zahnarzt, den Niklas Lenhardt überzeugend über die Rampe bringt.
Das immer größer werdende Blumenungeheuer als Symbol für das überall wuchernde Böse hätte nicht nur so blumig lieb, sondern etwas krasser übelwollend gestaltet sein können. Da könnte man in jeder Großstadt eine Menge abstruse Entdeckungen machen. Insgesamt aber eine zu Recht mit viel Beifall umjubelte Schüleraufführung.
Braunschweiger Zeitung, 19.12.2008
Bilder von der Premiere am 17. Dezember 2008 mehr ...

